Ungefilterte Wirklichkeit, authentische Emotionen, echte Tradition. Kein Moment gestellt, kein Blick erzwungen. Nur Appenzell, wie es lebt und atmet.
In Appenzell beginnt der Morgen des Fronleichnamstags nicht einfach mit einem neuen Tag, sondern mit einem Gefühl, das tief unter die Haut geht. Die Luft ist erfüllt von einer stillen Erwartung, einem feinen Zittern zwischen Tradition und Gegenwart. Wenn die ersten Sonnenstrahlen über die Dächer des Dorfes gleiten, erwacht ein Brauchtum, das seit Jahrhunderten weitergegeben wird. Getragen von Menschen, die es nicht nur kennen, sondern leben.
Die Prozession zieht durch die Gasse wie ein atmender Strom aus Farben. Die Klänge der Musik, das feierliche Läuten der Glocken, sie verweben sich zu einem Klangteppich, der das Herz berührt. Die Menschen stehen am Weg, manche mit glänzenden Augen, andere mit einem stillen Lächeln. Es ist ein Moment, in dem die Zeit langsamer wird, als würde sie selbst Respekt zollen.
Die Monstranz, getragen mit einer Mischung aus Demut und Stolz, wird zum leuchtenden Mittelpunkt. Doch eigentlich sind es die Menschen, die dieses Fest tragen. Jene, die mitgehen, jene, die zuschauen, jene, die einfach dazugehören. Die Prozession ist kein Schauspiel, sie ist ein Bekenntnis. Ein Ausdruck von Identität, Gemeinschaft, Glaube und tiefer Verbundenheit.

„Ösehegottstag“ sagen die Innerrhoder. Der Name bedeutet übersetzt so viel wie „Fest des Leibes und Blutes Christi“. Mit dem Fest erinnern die Katholiken und Katholikinnen an die Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie. In Prozessionen werden Monstranzen mit der als Leib Christi verehrten Hostie durch die Strassen getragen.

Besonders schön ist die Prozession in Appenzell. Eine grosse Anzahl von Frauen in der Festtagstracht und die 15 Täfelimeedle geben der Prozession einen besonderen Glanz, wie ich finde.



Die Monstranz wird bei der Prozession in Appenzell von Herrgottsgrenadiere in napoleonischen Uniformen begleitet.